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Das Synonym für die Stadt der Zukunft heißt “Smart City“

11.01.2016
11.01.2016 16:56 | Kategorie: Alliander News

Ein Megatrend, bei dem es um Visionen, Innovationen, Nachhaltigkeit und nicht zuletzt um Mut zur Umsetzung geht.


Heinsberg als Blaupause für andere Kommunen, wenn es um den Ausbau von Smart Grid geht. Am Zweitsitz der Alliander AG treiben Frank Zeeb (li) und Eduard Sudheimer (re) das Thema voran.
Foto: Ingrid Kozanák
Wir leben im digitalen Zeitalter. Vernetzung ist ein Megatrend. Keine Frage, dass die Verantwortlichen in den Kommunen erkennen, dass es jetzt um Antworten gehen muss, wie die Digitalisierung das Zusammenleben zukünftig beeinflussen wird. Die Digitalisierung bietet schließlich Chancen. Verkehrsprobleme lassen sich lösen, wenn öffentlicher Nahverkehr, Carsharing-Angebote, E-Mobilität und die Nutzung privater Verkehrsmittel aufeinander abgestimmt werden. Nachhaltiges, ressourcenschonendes Wirtschaften ist ein weiteres Kernthema in Bezug auf die Stadtentwicklung und Lebensqualität. Der Energieverbrauch in Städten mit wachsender Bevölkerung soll durch den Einsatz der Informationstechnik (IT) signifikant sinken. Intelligente (smarte) Stromnetze helfen dabei. Frei verfügbare Daten (Open Data) erhöhen die Transparenz. Außerdem laden offene Kommunikationsstrukturen zu mehr Bürgerbeteiligung ein, bewirken neue Möglichkeiten der Einmischung und damit eine Vitalisierung der Demokratie.

 

Klare Ziele fehlen

Smart City lautet der Oberbegriff, ist die Plattform, das Labor, um Ideen dieses Formats zu bündeln. Wie ambitioniert sind die Städte in Deutschland? Wer kümmert sich vor Ort um dieses Thema? Die Internetrecherche ergibt kein einheitliches Bild. Die Großstädte nähern sich diesem Thema ganz unterschiedlich. Es gibt ungezählte Projekte, aber so gut wie keine auf Einladungsmodus getrimmte Webseiten. Eine breit angelegte Befragung der Wirtschaftsberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) in Kooperation mit dem Geographischen Institut der Bonner Universität zum Stand der Digitalisierung in mehr als 200 deutschen Kommunen vom Mai dieses Jahres belegt diese Erfahrung. Es hapere bei der Umsetzung, es fehlten klare Ziele und integrierte Konzepte. „Maßnahmen, die in vielen Kommunen bereits verwirklicht oder in Angriff genommen wurden, fügen sich deshalb häufig nicht nahtlos zu einem großen Ganzen zusammen“, lautet ein Fazit aus der Befragung. Benachbarte europäische Städte wie Salzburg, Wien (http://www.smartcities.at), Barcelona (http://smartcity.bcn.cat/en) oder Amsterdam (http://amsterdamsmartcity.com/) zeigen sich von ihrer smarten Seite deutlich offener gegenüber ihren Bürgern und probierfreudiger. Beispiel Amsterdam und nachgefragt bei Frank Zeeb, Vorstandsvorsitzender der Alliander AG in Berlin, warum beispielsweise die niederländische Metropolregion Vorzeigeprojekt ist. Alliander, größter Energienetzbetreiber der Niederlande, hat 2009 als Gründungspartner für Amsterdam Smart City (ASC) erstmalig einen gesamten Stadtteil (Nieuw-West: rund 40.000 Haushalte) komplett mit einem intelligenten Stromnetz („Smart Grid“) versorgt. Wichtig sei, so Frank Zeeb, der kollektive Ansatz, der den Bürger in den Mittelpunkt stelle. „Dazu muss ich mir als Kommune überlegen, was bedeutet für uns die Energiewende.“ In Amsterdam, so Zeeb weiter, hätten sich mittlerweile weit mehr als 100 Partner zusammengefunden, die verschiedene Projekte zu den Themen Leben, Arbeit, Mobilität, Open Daten, Gesundheit und Bildung unter dem Thema Energiewende durchführen würden. Die Stadt werde auf diese Weise zu einem Labor (Living Lab), in dem lokale Projekte ins Leben gerufen und getestet werden. Erfolgreiche Initiativen könnten so auf andere Bereiche ausgeweitet werden. Einen Stadtteil von Amsterdam komplett mit einem Smart Grid auszustatten, sei beispielsweise so ein Versuchslabor, um das Funktionieren der dezentralen Energieversorgung zu testen, Einblicke in den potentiellen Energieverbrauch eines Stadtteils zu bekommen. „Wenn ich nicht weiß, wieviel ich verbrauche, kann ich nicht optimieren. Wir sind ein datenorientierter Netzbetreiber“, sagt Zeeb. Denn erst mit der Datenerfassung verfüge man über das notwendige Wissen, um nach einer Analyse sagen zu können, ob der Einsatz einer Kraft-Wärme- Kopplungsanlage sinnvoll wäre oder eine andere Lösung zum Zuge kommen sollte.

Kollektives Denken

„Wir müssen weg vom Silodenken“, engagiert sich Zeeb, „und stattdessen definieren, welche maßgebliche Rolle Stadtwerke zukünftig spielen wollen“. Alliander, zu hundert Prozent in öffentlicher Hand, ohne Interessen und damit frei von den Lasten der Energieerzeugung oder des Handels, sieht sich in dieser Konstellation besser für das Thema Digitalisierung aufgestellt und in eigener Formulierung als „idealer Partner der Kommunen“. “Wir schauen auf die Infrastrukturen mit anderen Augen“, erklärt Zeeb, „und bringen zusätzlich die finanziellen Mittel für eine interkommunale Zusammenarbeit mit“. Für den Vorstandsvorsitzenden ist Amsterdam Smart City Benchmark. Aber es müsse nicht unbedingt eine Großstadt sein. Ob Smart City oder Smart Country, Ressourcenschonung sei ein Thema für Kommunen und Regionen jeder Größenordnung. Wie das Modell erfolgreich auch in ländlicheren Regionen funktioniert, zeigt Alliander in der nordrhein-westfälischen Kreisstadt Heinsberg. In der Grenzregion zu den Niederlanden hat die Alliander Netz Heinsberg ihren zweiten Sitz neben Berlin. Just Ende Oktober 2015 erhielt der Netzbetreiber abermals den Zuschlag, das Stromnetz in Heinsberg für weitere 20 Jahre zu betreiben. Für Frank Zeeb „Vertrauensbeweis und Ansporn das Strom- und Gasnetz zum ersten umfassenden Smart Grid in Deutschland auszubauen“. Die rund 40.000 Einwohner starke Stadt Heinsberg soll zum „Schaufenster“ und Blaupause für andere Kommunen werden. Eduard Sudheimer, verantwortlicher Geschäftsführer der Alliander Netz Heinsberg, bestätigt, dass in den vergangenen 14 Jahren schon viel erreicht worden sei. Bereits jetzt kommen laut Sudheimer rund 40 Prozent des Heinsberger Stroms aus regenerativen Quellen. Je nach Wetterkonstellation seien es sogar 100 Prozent. „Wir haben über 1000 Solaranlagen in der Stadt“, bestätigt der Geschäftsführer. Außerdem sei für knapp 20 Millionen Euro rund die Hälfte des lokalen Energienetzes modernisiert, 8.000 Haushalte mit Smart Metern ausgerüstet worden. Weitere 1.000 sollen demnächst dazukommen. Auch das für die Entwicklung einer smarten Kommune „kollektive Denken“ ist in Heinsberg kultiviert. Die Stadt mit Bürgermeister Wolfgang Dieder an der Spitze ist ein maßgeblicher Unterstützer. Der Netzbetreiber fungiert als Moderator, sowohl für die Stadt, wie für die Unternehmen und Bürger. Das Energie-Monitoring für städtische Liegenschaften hilft der Kommune unter Einsatz moderner Messtechnik den Verbrauch zu optimieren. Bauunternehmen suchen die Beratung bei der Errichtung neuer Quartiere, die energieautark versorgt werden sollen. Sportvereine stehen ebenso auf der Liste wie der Gewerbe- und Verkehrsverein, wenn es um Fragen der Beleuchtung geht. „Wir ermöglichen den Bürgern unproblematisch in PV-Anlagen zu investieren“, ergänzt Eduard Sudheimer. Aber hier bleibt Alliander nicht einfach stehen. Vielmehr nehmen die Alliander-Chefs ein ausgeprägtes Streben der Bürger nach Autarkie wahr. „Hier wollen die Bürger abgeholt werden“, bestätigen sowohl Zeeb wie Sudheimer. Wer eine PV-Anlage besitze, denke über ein Elektrofahrzeug nach. Diese Infrastrukturen gelte es zu managen, bis hin zu Ladesäulen im Stadtgebiet. Und warum soll der Besitzer einer PV-Anlage „seinen produzierten“ Strom nicht direkt an seinen Nachbarn verkaufen können. „Die Verschmelzung von Energie und IT lassen solche Ideen Wirklichkeit werden“, verstärkt Frank Zeeb die Vision eines künftigen dezentralen Energiemanagements. In Kooperation mit der Deutschen Glasfaser werde deshalb die Breitbandversorgung in der Region entschieden vorangetrieben, berichtet Zeeb. „Das Netz muss diskriminierungsfrei nach vorne gebaut werden, weil es die Plattform für die Zukunft ist.“ Eine wesentliche Bedingung, um die Energiewende zum Erfolg zu führen. 

Ingrid Kozanák

 

Quelle: rathausconsult

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